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Musterung Bundeswehr Ablauf: Was passiert Schritt für Schritt?

Die Musterung bei der Bundeswehr ist für viele junge Menschen ein komplett unbekanntes Terrain. Was erwartet dich dort? Wie läuft der Tag ab? Und was passiert beim Sporttest und der ärztlichen Untersuchung? In diesem Ratgeber erfährst du den kompletten Ablauf der Bundeswehr-Musterung — Schritt für Schritt.

1 Einladung Brief mit Termin erhalten 2 Anreise Registrierung im Karrierecenter 3 Sporttest Basis-Fitness-Test 4 Arztl. Untersuchung Seh-/Hortest, EKG, Blut 5 Psych. Gesprach Personliches Interview 6 Ergebnis Tauglichkeitsstufe T1-T5
Übersicht: Ablauf eines Musterungstages bei der Bundeswehr

1. Die Einladung zur Musterung

Alles beginnt mit einem offiziellen Schreiben per Post. Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) in Köln versendet die Einladung zur Musterung an alle Wehrpflichtigen. In dem Schreiben findest du den genauen Termin, den Ort (meistens das nächstgelegene Karrierecenter der Bundeswehr) und eine Liste der Dokumente, die du mitbringen musst.

Typischerweise wirst du mit 18 Jahren eingeladen, also kurz nach Erreichen der Volljährigkeit. Seit der Wiedereinführung der Wehrpflicht 2025 werden die Jahrgänge schrittweise gemustert — ab 2026 zunächst der Jahrgang 2008, danach folgen weitere.

Wichtig

Bewahre die Einladung gut auf. Du brauchst sie am Tag der Musterung als Nachweis. Solltest du den Termin nicht wahrnehmen können, melde dich umgehend beim angegebenen Karrierecenter, um einen Ersatztermin zu vereinbaren.

Was du mitbringen musst

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Die Einladung zur Musterung
  • Impfpass (falls vorhanden)
  • Brille oder Kontaktlinsen (falls du eine Sehhilfe trägst)
  • Sportkleidung und Hallenschuhe für den Sporttest
  • Ärztliche Atteste oder Befunde (falls relevant)
  • Ggf. Nachweise über Ausbildung oder Studium

2. Anreise und Registrierung

Am Tag der Musterung solltest du pünktlich am Karrierecenter erscheinen. Meistens liegt der Termin am frühen Morgen, oft um 7:30 oder 8:00 Uhr. Die Musterung findet in einem der Karrierecenter der Bundeswehr statt, die über ganz Deutschland verteilt sind.

Die Fahrtkosten werden dir in der Regel erstattet, sofern du mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist. Informationen dazu findest du in deiner Einladung. Am Empfang wirst du registriert, dein Ausweis wird kontrolliert und du bekommst einen Tagesplan ausgehändigt.

In einer kurzen Einführungsveranstaltung wird dir der Tagesablauf erklärt. Du bist übrigens nicht allein — meistens werden mehrere Wehrpflichtige gleichzeitig gemustert, sodass du in einer Gruppe durch die verschiedenen Stationen gehst.

3. Der Sporttest (Basis-Fitness-Test)

Der Sporttest ist oft das, wovor sich die meisten am meisten sorgen. Der sogenannte Basis-Fitness-Test (BFT) prüft deine grundlegende körperliche Leistungsfähigkeit. Er besteht aus drei Disziplinen:

Die drei Disziplinen des Basis-Fitness-Tests

1

11x10-Meter-Sprinttest

Du sprintest 11 Mal eine Strecke von 10 Metern hin und zurück (insgesamt 110 Meter). Dabei musst du bei jeder Wende einen Holzblock umsetzen. Dieser Test misst deine Schnelligkeit und Wendigkeit. Du solltest unter 60 Sekunden bleiben.

2

Klimmhang-Test

Du hängst dich mit gebeugten Armen an eine Klimmzugstange und hältst diese Position so lange wie möglich. Gemessen wird die Zeit, die du in der Hangposition bleibst. Mindestens 5 Sekunden solltest du schaffen.

3

1.000-Meter-Lauf (Ergometer-Test)

Zum Abschluss absolvierst du einen 1.000-Meter-Lauf oder alternativ einen Fahrrad-Ergometer-Test. Dieser prüft deine Ausdauer. Beim Lauf solltest du unter 6:30 Minuten bleiben, um als „bestanden" zu gelten.

Der Sporttest ist kein Hochleistungswettbewerb — er prüft lediglich die Grundfitness. Trotzdem solltest du dich vorbereiten, denn das Ergebnis fließt in deine Tauglichkeitseinstufung ein. Wenn du regelmäßig ein wenig Sport treibst, wirst du den Test problemlos bestehen.

Achtung

Vergiss nicht, Sportkleidung und saubere Hallenschuhe mitzubringen. Ohne passende Ausrüstung kannst du am Sporttest nicht teilnehmen, was zu Problemen bei der Einstufung führen kann.

4. Die ärztliche Untersuchung

Die ärztliche Untersuchung ist der umfangreichste Teil der Musterung. Ein Arzt der Bundeswehr untersucht dich gründlich, um deinen allgemeinen Gesundheitszustand festzustellen. Dabei werden verschiedene Bereiche geprüft:

  • Sehtest: Deine Sehschärfe wird mit und ohne Sehhilfe gemessen. Auch das Farbsehen wird geprüft (Ishihara-Tafeln).
  • Hörtest: In einer schallisolierten Kabine wird dein Hörvermögen über verschiedene Frequenzen getestet.
  • Blutdruck und Puls: Standardmäßige Messung im Ruhezustand.
  • Urinprobe: Eine Urinprobe wird auf verschiedene Werte untersucht (Zucker, Eiweiß etc.).
  • Blutabnahme: Blut wird abgenommen und im Labor auf verschiedene Parameter analysiert.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht Gelenke, Wirbelsäule, Herz und Lunge. Du wirst abgehört und abgetastet.
  • Größe und Gewicht: Werden gemessen und der Body-Mass-Index (BMI) berechnet.
  • EKG: Ein Elektrokardiogramm überprüft deine Herzfunktion.

Wenn du bereits bekannte Vorerkrankungen oder chronische Beschwerden hast, solltest du entsprechende Atteste und Befunde mitbringen. Der Arzt wird diese bei der Beurteilung berücksichtigen. Sei ehrlich bei allen Fragen — es geht nicht darum, dich auszusortieren, sondern darum, ein realistisches Bild deines Gesundheitszustands zu bekommen.

Die ärztliche Untersuchung bestimmt maßgeblich deine Tauglichkeitsstufe (T1 bis T5). Je nach Ergebnis wirst du als voll tauglich, eingeschränkt tauglich oder untauglich eingestuft.

5. Das psychologische Gespräch

Neben der körperlichen Untersuchung findet auch ein psychologisches Gespräch statt. Ein Psychologe oder eine Psychologin der Bundeswehr führt ein persönliches Gespräch mit dir. Dabei geht es um verschiedene Themen:

  • Deine Motivation und Einstellung zum Wehrdienst
  • Deine schulische und berufliche Situation
  • Dein familiäres Umfeld
  • Deine Stressbewältigung und Belastbarkeit
  • Eventuelle psychische Vorbelastungen

Das Gespräch ist keine Prüfung und kein Verhör. Es dient dazu, ein Gesamtbild von dir als Person zu bekommen. Sei authentisch und ehrlich — du musst niemanden beeindrucken. Wenn du bereits weißt, dass du den Wehrdienst verweigern möchtest, kannst du das hier erwähnen, aber du bist nicht dazu verpflichtet.

Gut zu wissen

Das psychologische Gespräch bei der Musterung ist nicht identisch mit einer Gewissensprüfung. Selbst wenn du dich hier kritisch zum Wehrdienst äußerst, hat das keinen Einfluss auf dein Recht, den Wehrdienst zu verweigern.

6. Der Computertest (CAT-Test)

Der computergestützte Eignungstest — auch CAT-Test (Computer Assisted Testing) genannt — prüft deine kognitiven Fähigkeiten. An einem Computer bearbeitest du verschiedene Aufgabenbereiche:

  • Sprachverständnis: Wortanalogien, Textverständnis und Grammatikaufgaben
  • Mathematik: Grundrechenarten, Prozentrechnung, Dreisatz und logische Zahlenreihen
  • Räumliches Vorstellungsvermögen: Figurenzuordnung und Würfelaufgaben
  • Merkfähigkeit: Sich Symbole, Zahlen oder Muster einprägen und wiedergeben
  • Konzentration: Aufgaben unter Zeitdruck korrekt bearbeiten
  • Technisches Verständnis: Einfache physikalische und mechanische Zusammenhänge

Der Test dauert etwa 2 bis 3 Stunden und ist adaptiv — das heißt, die Schwierigkeit passt sich an dein Leistungsniveau an. Je besser du abschneidest, desto schwieriger werden die Fragen. Das Ergebnis bestimmt, für welche Verwendungen innerhalb der Bundeswehr du in Frage kommst.

Eine spezielle Vorbereitung ist nicht zwingend nötig, aber es schadet nicht, vorher ein paar Übungsaufgaben zu logischem Denken und Mathematik zu machen. Im Internet findest du zahlreiche Übungstests, die dem CAT-Test ähnlich sind.

7. Ergebnis und Tauglichkeitseinstufung

Am Ende des Musterungstages werden alle Ergebnisse zusammengeführt: Sporttest, ärztliche Untersuchung, psychologisches Gespräch und Computertest. Daraus ergibt sich deine Tauglichkeitseinstufung nach dem Schema T1 bis T5:

  • T1: Voll verwendungsfähig — Du bist für alle Verwendungen geeignet.
  • T2: Verwendungsfähig mit Einschränkung — Leichte gesundheitliche Einschränkungen.
  • T3: Eingeschränkt verwendungsfähig — Nur für bestimmte Verwendungen geeignet.
  • T4: Vorübergehend nicht verwendungsfähig — Aktuell nicht tauglich, Nachuntersuchung nötig.
  • T5: Nicht verwendungsfähig — Du bist ausgemustert und wirst nicht eingezogen.

Die detaillierte Aufschlüsselung aller Tauglichkeitsstufen findest du in unserem Artikel zur Bundeswehr Musterung Tabelle. In einem Abschlussgespräch teilt dir der Musterungsarzt deine Einstufung mit und erklärt, was diese für dich bedeutet.

Wenn du mit der Einstufung nicht einverstanden bist, hast du das Recht, Widerspruch einzulegen. Dafür hast du in der Regel einen Monat nach Erhalt des Musterungsbescheids Zeit.

8. Was passiert nach der Musterung?

Nach der Musterung erhältst du innerhalb weniger Wochen deinen offiziellen Musterungsbescheid per Post. Darin steht deine Tauglichkeitseinstufung und — falls du als tauglich eingestuft wurdest — die Information, wann und wo du deinen Wehrdienst antreten sollst.

Ab diesem Zeitpunkt hast du mehrere Möglichkeiten:

  • Wehrdienst antreten: Du folgst der Einberufung und leistest deinen Grundwehrdienst ab.
  • Wehrdienst verweigern: Du stellst einen KDV-Antrag und wirst vom Wehrdienst befreit.
  • Zurückstellung beantragen: In bestimmten Fällen (Ausbildung, Studium, familiäre Gründe) kannst du eine Zurückstellung beantragen.

Besonders wichtig: Du kannst den KDV-Antrag jederzeit stellen — auch vor der Musterung. Viele entscheiden sich aber erst nach Erhalt des Musterungsbescheids, weil die Realität des Wehrdienstes dann greifbarer wird.

9. Tipps zur Vorbereitung auf die Musterung

Auch wenn die Musterung kein Test ist, den man „bestehen" muss, lohnt sich eine gute Vorbereitung. Hier sind die wichtigsten Tipps:

Körperliche Vorbereitung

  • - 2-4 Wochen vorher regelmäßig joggen
  • - Klimmzüge und Liegestütze üben
  • - Sprintübungen einbauen
  • - Ausreichend schlafen vor dem Termin

Organisatorische Vorbereitung

  • - Alle Dokumente zusammenpacken
  • - Sportkleidung bereitlegen
  • - Anreise planen (Puffer einkalkulieren)
  • - Frühstück nicht vergessen

Für den Computertest

  • - Online-Einstellungstests üben
  • - Grundrechenarten auffrischen
  • - Logikrätsel lösen
  • - Ausgeschlafen zum Test erscheinen

Generell

  • - Ruhig und ehrlich bleiben
  • - Kein Alkohol am Vortag
  • - Viel Wasser trinken
  • - Medikamente vorher angeben

10. Musterung und Kriegsdienstverweigerung

Viele junge Menschen fragen sich: Muss ich zur Musterung, wenn ich den Wehrdienst sowieso verweigern will? Die Antwort ist: Ja, die Musterung ist Pflicht, unabhängig davon, ob du den Wehrdienst verweigern möchtest oder nicht.

Aber das eine schließt das andere nicht aus. Du kannst deinen KDV-Antrag (Antrag auf Kriegsdienstverweigerung) zu jedem Zeitpunkt stellen:

  • Vor der Musterung: Du stellst den Antrag präventiv und wirst trotzdem gemustert.
  • Während der Musterung: Du kannst im psychologischen Gespräch erwähnen, dass du verweigern möchtest.
  • Nach der Musterung: Du stellst den Antrag nach Erhalt des Musterungsbescheids.

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist im Grundgesetz verankert (Art. 4 Abs. 3 GG). Niemand darf dich zwingen, gegen dein Gewissen Kriegsdienst mit der Waffe zu leisten. Dein KDV-Antrag wird beim BAPersBw in Köln bearbeitet.

Disclaimer

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Orientierung und stellen keine Rechtsberatung dar. Bei konkreten rechtlichen Fragen wende dich bitte an einen Anwalt oder eine offizielle Beratungsstelle.

Häufige Fragen

Die Musterung dauert in der Regel einen vollen Tag, also etwa 6 bis 8 Stunden. Du solltest morgens früh erscheinen und kannst damit rechnen, am späten Nachmittag fertig zu sein.

Nein, die Musterung selbst kannst du nicht verweigern — sie ist gesetzliche Pflicht. Was du aber verweigern kannst, ist der Wehrdienst selbst. Dafür musst du einen KDV-Antrag (Kriegsdienstverweigerung) stellen.

Wenn du ohne triftigen Grund nicht zur Musterung erscheinst, kann ein Bußgeld verhängt werden. Im Wiederholungsfall ist sogar eine zwangsweise Vorführung möglich. Melde dich rechtzeitig beim zuständigen Karrierecenter, wenn du den Termin nicht wahrnehmen kannst.

Ja, der Sporttest ist ein fester Bestandteil der Musterung. Er dient dazu, deine körperliche Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Bereite dich am besten mit etwas Ausdauertraining und Kraftübungen vor.

Ja, absolut. Die Musterung und die Kriegsdienstverweigerung sind zwei verschiedene Dinge. Du kannst deinen KDV-Antrag vor, während oder nach der Musterung stellen. Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes garantiert dir das Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

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